The Troggs – „Greatest Hits“

19. April 2008

BR Music, 1985

Na, dann halt doch. Einmal schon, auf einem Flohmarkt, ging mir eine ziemlich billige „Best Of“ der Troggs durch die Lappen, was ich damals nicht so schlimm fand. Sicher, dachte ich, wenn ich auf einer Party mal „Wild Thing“ spielen würde, käme das sicher ganz gut, so ein Tanzbodenkracher macht ja Laune, aber bald hatte ich die Troggs wieder aus meinen aktiven Hirnregionen verscheucht.

Und neulich stand sie da, im Plattenladen meines Vertrauens: Eine „Best Of“ für schlappe zwei Euro. Na gut, warum nicht, „Wild Thing“ kann man sicher brauchen, und mal sehen, ob noch ein paar andere Garagenbeat-Kracher drauf sind. Zuhause stand die Platte erstmal eine Weile herum, bis ich sie heute zum Nebenherhören mal aufgelegt habe. „Wild Thing“, freilich gleich das erste Stück, hat ja, so stellte ich erstaunt fest, im Intro einen Akkord weniger als in der Strophe, sprich: der Schritt zurück auf die Subdominante fehlt, solange nicht gesungen wird. Ansonsten: „Wild Thing“ halt, tausendmal gehört, und irgendwie war das erste Hören dieses notorischen Liedes auf der eigenen Anlage keine wirkliche Überraschung mehr. Nur das – hm, ist es eine Querflöte? – geblasene Solo störte mich ein wenig, klang es mir doch zu esoterisch, zu hippiesk, zu sehr nach Jethro Tull, vielleicht nicht hart genug für Garagenrock. Geschmackssache, ich mag es nicht. Aber immerhin: „Wild Thing“.

Überraschender war dann doch der weitere Verlauf der Platte. Anstatt der erhofften Garagenbeat-Kracher folgten erstmal relativ klassische Sixties-Songs, mit entsprechender Streicherbegleitung, ohne Drive, eher kitschig. Das mag der Compilation geschuldet sein, die neben dem einen ungezogenen Hit vielleicht eher die romantischen Hausfrauen in den 80ern ansprechen wollte, damit diese sich – zwanzig Jahre zu spät – an die Engtänze ihrer Jugend erinnern und seufzen. Ich jedenfalls habe „Love is all around“ schon besser gehört: kindlich naiv und wunderbar enthusiastisch von R.E.M. bei deren Unplugged-Show auf MTV, und sogar die eklig schmierigen Wet Wet Wet haben wenigstens einen besseren Sound und irgendwie mehr rosarotes Herzblut.

Nichts gegen kitschige Balladen aus alten Zeiten – „Everyday“ von Buddy Holly, im selben Zug erstanden, übertrifft die Troggs an Kitsch und Schmalz um Längen. Dafür ringt es mir aber auch ein seliges Lächeln ab ob der anrührenden Naivität, des kindlichen Enthusiasmus, dieser strahlenden Freundlichkeit Hollys. Die Troggs hingegen hinterließen bei mir heute eher den Geruch der muffigen Sechziger, die bei uns zuhause in schlechten Momenten mit in die Endsiebziger, Frühachziger geschleppt wurden: Sonntagsausflüge bei Regen, Best-Of-Compilations von Time Life, die Aufgabe der Radikalität zugunsten einer Anbiederung an die Bürgerlichkeit, der sie ja schlußendlich doch alle verfielen, manifest in Holzbläsern, Streichern und faden Balladen. Irgendwie wirken die Troggs feist auf mich, beliebig, lustlos.

Vielleicht, ich werde es herausfinden, wenn es an einem Sonntagnachmittag mal wieder regnet und ich in einer Stimmung bin, die muffig genug ist, mich zu überwinden, die Platte nochmal aufzulegen, finden sich auf der B-Seite noch ein, zwei Beatkracher oder schöne Balladen, mit denen sich etwas anfangen läßt. Bis dahin werde ich auf Parties zu gegebener Zeit „Wild Thing“ auflegen, die Masse entzücken und die Kenner mit einem Kopfschütteln nach draußen zum Rauchen schicken.

http://www.my-generation.org.uk/Troggs/

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Eine Antwort to “The Troggs – „Greatest Hits“”

  1. […] Dr. Schrecks kleine Welt der hörbaren Frequenzen wrote an interesting post today on The Troggs – "Greatest Hits"Here’s a quick excerptBR Music, 1985 Na, dann halt doch. Einmal schon, auf einem Flohmarkt, ging mir eine ziemlich billige “Best Of” … E. M. bei deren Unplugged-Show auf MTV, und sogar die eklig schmierigen Wet Wet Wet haben wenigstens einen besseren Sound und irgendwie mehr rosarotes Herzblut…. […]

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