Hangman Records, 1991 (LP); Get Hip, 1993 (CD)

Yeah! Ich muß es einfach kurz loswerden: Aus dem Stall von Billy Childish kommen die Kravin‘ „A“s, eine der besten Bands der Medway-Szene. Gegründet 1987 vom Ex-Milkshake Bruce Brand, nahmen sie 1988 ihr erstes und einziges Album auf, „Krave On“. Dankenswerterweise ist das Album heute wenigstens noch auf CD erhältlich, das Vinyl scheint völlig vom Markt zu sein. Und ich bin begeistert von dieser Band!

Gehört habe ich sie zuerst auf einem Sampler, den ich mir wegen eines Beitrags von Childish zugelegt habe, aber ich muß sagen, die Kravin‘ „A“s schlagen den Meister tatsächlich um Längen mit ihrer Mischung aus Rock’n’Roll, Garagenpunk, viel Beat und jeder Menge soul. Mein Favorit des Albums ist „You know it is“ mit seinem simplen, geil groovenden Riff, dem flotten Tempo und der prima Gesangsperformance von Glenn Prangnell (wahrscheinlich, die Linernotes geben darüber nur ungefähr Auskunft, und der andere, nicht minder prima Sänger heißt Jon Barker), die so dermaßen voller Soul und Seele ist, daß es mir kalt den Rücken hinunterläuft. Doch auch die weniger „harten“, sprich eher beatlastigen Stücke (tanzbar allesamt) wie das Classmates-Cover „Payday“, das wunderbare, mit einem tollen Soulgitarren-Intro und einer genauso tollen Melodie versehene „Girls like that“ und der ganze Rest der Platte ist einfach prima, knorke, super. Groovende Rhythmen, ins Ohr gehende Melodien, genug Punk, um trotz der Melodieseligkeit abzugehen, wie man sagt, die Kravin‘ „A“s klingen, als hätten sich die jungen Beatles und die Sonics zusammengetan, um mal eine richtig gute Platte zu machen.

Schade, daß es die Band nicht mehr gibt (aber aus dieser Szene kommen ja immer noch genug andere gute Bands), schade, daß sie es nur auf ein Album und eine E.P. gebracht haben, und schade, daß man an das Vinyl offenbar nicht mehr herankommt (wer da was weiß: Melden!), aber wie gut, daß es wenigstens „Krave On!“ gibt.

So, das mußte einfach mal schnell gesagt werden. Kaufen!

www.myspace.com/thekravinas

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Universal, 2008

Und nochmal Metallica, aber wer könnte sich dieser Veröffentlichung entziehen? Metallica sind ein Monster, eine Legende, ein Monolith, sind die Günter Grass des Metal, und wenn dieser ein neues Buch herausbringt, muß auch darüber geredet werden, ebenso wie wenn jene ein neues Album veröffentlichen. Zumal, wenn Rick Rubin produziert hat, der wohl vielseitigste und nach Phil Spector und Steve Albini legendärste Produzent der Rockgeschichte (namedropping gefällig? Da: Public Enemy, Slayer, Neil Diamond und freilich und am legendärsten die American Recordings, Johnny Cashs prima Comeback in fünf Teilen).

Also. Es ist im Vorfeld viel über das Album geredet worden, und sowieso über Metallica im allgemeinen (namedropping gefällig? Da: Napster, St. Anger, Rob Trujillo, Alkohol, der ziemlich gute Dokumentarfilm Some Kind of Monster von Joe Berlinger und Bruce Sinofski, restriktive Veröffentlichungspolitik, Fiesheit den Fans gegenüber etc.pp.), aber darüber soll hier einfach mal hinweggesehen werden. Mag Hetfield ein Arschloch sein und Ulrich ein Korinthenkacker, mir wurscht: Sie bleiben einfach schweinecool, wenn man sich so das Bandfoto vom auch großen Anton Corbijn anguckt. Und ein gewisses Arschlochtum macht diese Testosteron-Männermucke ja schließlich auch so geil, wie sie ist, oder?

Und jetzt ist „Death Magnetic“ da, und ich denke mir so insgeheim: Was für ein blöder Plattentitel, sogar noch blöder als „St. Anger“. Das Album ist in einer Milliarde unterschiedlich teuren Formaten erschienen (dazu bitte einfach die einschlägige Musikpresse konsultieren; am lustigsten finde ich die Version für Guitar Hero), ich habe mich für das billigste entschieden, die normale CD, und selbst hier ist das löchrige Booklet mit seinem in verschiedene Schwarzweißbilder eingearbeiteten Sarg bzw. Grab ein großer Spaß zum Angucken. Und mit lesbaren Texten hatten sie es ja eh nicht immer (siehe z.B. „Load“ von 1996, und hier fehlen dank der Löcher auch Teile). Aber angesichts von Texten wie „The End of the Line“ ist das auch nicht weiter schlimm.

Beim ersten Vorhören der Songs auf der Homepage von Metallica mußte ich ziemlich schmunzeln: Im Kopf hatte ich all die Vergleiche mit „Master of Puppets“ von 1986, die überall lanciert wurden, und die irgendwo gehörte Aussage, „Death Magnetic“ klänge wie ein „Master…“-Coverwettbewerb, schien sich zu bestätigen: klassische Metalriffs, Leadharmonien, und an so mancher Stelle meinte man, der junge Hetfield brüllt jetzt gleich „Master, Master“ oder „Blackened is the end“ los. Hmja. Metal halt, dachte ich so bei mir.

Aber jetzt genug geunkt: „Death Magnetic“ macht erstaunlich viel Spaß. Das Album rockt ziemlich los, erinnert mich tatsächlich im Opener „That Was Just Your Life“ oder in „Broken, Beat & Scared“ an „St. Anger“ (2003), allerdings nicht so derart brachial, also melodiöser, zugänglicher, mehr auf die alten Metal-Qualitäten bedacht (und das bedeutet halt mehr Weichheit als auf dem Vorgänger, ihr ollen Metalheads!). Sicher, „St. Anger“ hat mich mehr umgehauen, aber „Death Magnetic“ ist viel besser zum Am-Stück-Durchhören. Und es hat nicht wirklich etwas mit dem fürchterlichen Metalgepose der „Master…“ (ich verstehe nicht, wie alle Welt angesichts von „Kill’em All“ (1983) oder „Ride The Lightning“ (1984) bei diesem schlechten Album von Metallicas Meisterwerk reden kann) oder schlimmer noch dem Progrock-Getue der „…and Justice for All“ (1988) zu tun. Und das, obwohl nahezu alle Lieder an der Achtminutengrenze kratzen, teilweise ziemlich vertrackt sind und mit arg vielen verschiedenen Teilen hausieren gehen. Langweilig werden die Songs nicht (außer vielleicht den beiden zu kitschig geratenen Balladen „The Day That Never Comes“ (gräßliches Intro!) und „The Unforgiven III“ [sic!], das sich mit seinem Piano, seinen Synthiestreichern und seinem Bierernst schon arg weit aus dem Fenster lehnt. Aber wer würde von Metallica schon Selbstdistanz oder gar Selbstironie erwarten?), und den meisten merkt man ihre Länge nicht an.

Das Album hat jede Menge schöne Momente, die Disharmonien in „The Judas Kiss“, der donnernde Groove der ersten drei Stücke, Hetfields sehr schöner Gesang in den süßlichen Balladen, die plötzlichen 80er-Jahre-Gitarrenharmonien, die hier und da auftauchen (ganz besonders toll beim Instrumental „Suicide & Redemption“), all die düsteren Akustikintros, die einem die Hochzeit des Metal wieder ins Gedächtnis rufen, die für Metallica typischen WahWah-Soli, das Geholze einer-, die wirklich schönen Melodien andererseits, und die schöne Nostalgie, die einige der eigentlich immer guten Riffs herausfordern, weil sie halt doch sehr an alte Metallica-Alben erinnern.

Sicher, Metallica wühlen sich hier schon durch einige Klischees, und der Gedanke an eine Art paraphrasierte Werkschau ist auch nicht abwegig, innovativ (im Guten oder im Schlechten, darüber sollen sich die „echten“ Fans angesichts der Wandlungen zum guten Rock auf „Load“ auf der einen, zum brachialen Metalcore auf „St. Anger“ auf der anderen Seite streiten, ich mag beide Alben) ist hier nichts, aber die Scheibe rockt, hat einen sehr guten, druckvollen, trockenen aber dennoch nicht hohlen Sound (wobei ich die Kritik betreffs der Kompression und der daraus resultierenden Übersteuerung, die z.B. hier geäußert wird, teile), ist nicht langweilig, ist wunderbar humorlos und böse, klingt genau so sehr nach Früher wie nach Heute, und hat mit dem finalen Stück „My Apocalypse“ dann doch noch sein „Damage Inc.“ Aus dem anfänglichen „Ach je“ beim Kauf ist ein „Yeah“ beim Hören geworden. Was will man mehr?

www.metallica.com