Japanische Kampfhörspiele – „Luxusvernichtung. Vierundfünfzig vertonte Kurzgedichte“

26. Oktober 2009

JaKa_Luxusvernichtung_vorne
Unundeux, 2009

Fassen wir uns aus gegebenem Anlaß kurz: Japanische Kampfhörspiele, intellektuelles Aushängeschild des deutschsprachigen Grindcores, intelligente Texte zwischen Dada und pointierter Gesellschaftskritik aus dem linken Spektrum, von echten Metalheads nicht so gemocht, dafür aber von uns großkopferten Akademikern, musikalisch ziemlich brillant, sackschnell, irre präzise, trotz des genretypischen Geholzes aufregend differenziere Riffs und Rhythmen, zweistimmiger „Gesang“ aus hoher und tiefer Stimme (wie dereinst Carcass zu ihren besten Zeiten), kurz: geil.

Nun die Labelgründung, Unundeux erblickte im ersten Quartal 2009 die Welt, und dort „machen die Japanischen Kampfhörspiele was sie wollen“, nämlich unter anderem die E.P. „Luxusvernichtung“. Dort werden geschwind 54 (in Worten: vierundfünfzig!) „Kurzgedichte“ innert rund 19 Minuten vertont, das Internet meint, es handle sich dabei um Song- und Textfragmente, die nie wirklich zu ausgewachsenen Songs geworden sind. Aufgenommen wurde „im proberaum, in calles kellerbar und zuhause“, und was jetzt wie ein blöder Witz einer „lustigen“ Band aus lauter Jungs mit Jungshumor klingt, ist eine richtig gute Platte, sowohl textlich wie musikalisch.

Sicher, die Zeit in den einzelnen Liedern ist dann doch recht knapp, und nicht immer kommen da richtig ausgeprägte Strukturen dabei raus, aber halt doch meistens, und das ist wirklich beeindruckend: wie in unter zehn Sekunden richtig gute Riffs und Grooves ausgepackt werden, wie sich manchmal sogar Refrains einschleichen, wie plötzlich nochmal neue Songteile losballern, wie präzise die Gitarrenlinien und die Schlagzeugparts gespielt werden und wie klar der Sound ist. Und wie intelligent und durchaus lustig das alles ist.

Wer kann, sollte sich auf der Homepage von Unundeux den „Luxusdeal“ krallen, denn dann hat er neben dem T-Shirt sowohl die 10″ als auch die CD. Die 10″ ist einfach schön und ultrarar (und für sie habe ich dann gern auf den Bonustrack verzichtet), und die CD hat als eben jenen Bonustrack das ganze Album nochmal als Instrumentalversion hintendran.

„Luxusvernichtung“ könnte man einfach als guten Gag verkaufen, mit lustigen Liedchen, um die Freunde mal zum Lachen zu bringen, „Rumpelrumpel, höhö, rumpelrumpel“. Aber dazu ist die E.P. einfach zu gut, dazu sind selbst die ultrakurzen Stücke zu ausgefeilt, dazu sind die Texte zu anspruchsvoll, ein extremes Destillat von extremer Musik. Zugreifen, bevor das Ding vergriffen ist, denn auch die CD ist limitiert.

www.japanischekampfhoerspiele.de
www.unundeux.de

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