Atrocity – „Infected“

2. Februar 2010

Metalcore Records, 1990

Ach, süße Jugend! Nach so vielen Jahren läuft mir plötzlich wieder eine Platte über den Weg, an die ich zwar immer mal wieder belustigt gedacht habe, von der ich aber nicht geglaubt habe, sie jemals wieder zu hören (oder hören zu wollen).

Und nun ist sie plötzlich wieder da: „Infected“ von Atrocity (den amerikanischen, die weiß Gott nicht zu verwechseln sind mit den intelligenteren, progressiven, besseren und daher auch weit weniger, nun ja, „interessanten“ deutschen Atrocity), mit dem geilen Gore-Cover in wundervollen Pastellfarben, den irgendwie dann doch nur neunzehn Tracks, obwohl das Cover und das Textheftlein von dreiundzwanzig spricht (darunter „Mr. Quint“ mit dem geilen Reim „Quint, Quint, can’t you see, your opinion means shit to me“ – das würde ich ja echt gern mal hören), mit den ewiggleichen Songs, die mit dem Einzählen des Schlagzeugers (klick-klick-klick-klick oder schepper-schepper-schepper-schepper) anfangen, mit einem Groove-Riff weitergehen, mit dem Gegröhle zur Snarecore-Attack den Hauptteil überwinden und mit einem hingewichsten Gitarrensolo aufhören, mit den Texten zwischen pubertärer „Sozialkritik“ und dem üblichen apokalyptischen Verbalgemetzel, und mit all den Erinnerungen an eine „wilde“ Jugend, die angesichts dieser Platte lächerlich weit weg scheint.

„Infected“ ist eine wirklich primitive Platte, die wirklich nicht so toll produziert und wirklich nicht innovativ ist, die – nicht zuletzt dank des grotesken Covers – irgendwie lächerlich wirkt, die zu Recht keinen Einzug in die Annalen der Metalgeschichte gehalten hat. Aber, naja, die miese Produktion macht einen irgendwie warmen und – metaluntypisch – unsterilen Sound, rückt die Band in DIY- und Hardcore-Nähe und schenkt ihr damit irgendwie credibility, das Gegröhle des shouters wirkt genauso beherzt wie das Geholze der Band, und unterm Strich machen Atrocity dann doch tüchtig Druck und, herrje, auch irgendwie Spaß.

Sich wieder jung und spritzig fühlen geht wahrscheinlich anders, sicher, aber wie damals muß ich auch heute über diese Band lachen, die auf den spärlichen Bandfotos, die ich gefunden habe, ausschaut wie der Schnauzbart-Kassengestell-White-Trash, den man hinter dieser Musik erwartet, aber ganz tief im Herzen hab‘ ich sie dann doch lieb.

Uuuuuaaaargh!

www.myspace.com/atrocityus
Mad Lion Records

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