Bonnie „Prince“ Billy & The Cairo Gang – „The Wonder Show of the World“

14. April 2010

Drag City, 2010

Ok, der Lieblingskauz des Feuilletons macht mal wieder den Bartmann. Das ist jetzt ein garstiger Einstieg für die Besprechung einer schönen Platte, zumal von einem eigentlich so großen Verehrer Will Oldhams wie mir, aber irgendwie ist das doch auch so gemeint. Wir sprechen hier, um jetzt nochmal von vorn anzufangen, vom neuen Album Bonnie „Prince“ Billys, das er diesmal zusammen mit dem Gitarristen und Songschreiber Emmett Kelly alias „The Cairo Gang“ aufgenommen hat, der Bonnie schon seit ein paar Alben und Touren zur Seite steht, eine Kooperation also wie dereinst 2005 „Superwolf“ mit Matt Sweeney. Anders als die Kooperation von letztem Jahr, das schöne „Among the Gold“ (2009) mit der schönen Cheyenne Mize zusammen, ist „The Wonder Show…“ wieder ein full lenght-Album, und anders als jene besagte 10″ oder „Superwolf“ mag ich „The Wonder Show…“ bislang nun nicht wirklich.

Dabei unterscheiden sich die beiden neueren der erwähnten Veröffentlichungen nicht einmal so sehr, wie mein Sympathiegefälle den Anschein erweckten könnte. Denn auch „The Wonder Show…“ ist eine recht intime Platte, die hauptsächlich getragen wird von den warmen Gitarren und den warmen Stimmen Oldhams und Kellys, im Hintergrund der Baß von Shahzad Ismaily und hier und da ein wenig Percussion. Bis auf den manchmal gewaltigen Chorgesang aus den gedoppelt- und gedreifachten Stimmen der beiden Protagonisten bewegt sich die Platte in einem kuschlig-folkigen Minimalismus, den manchmal nur eine – ziemlich gut klingende – E-Gitarre weniger stört denn ergänzt. Und hier sind wir also: Wir hocken in kuschlig-folkigem Minimalismus ums Lagerfeuer und hören Oldhams Lyrik zu, die sich wie immer um Liebe, Gott, Verlust und diesmal auch wieder um Erlösung dreht, mit einem kleinen Ausflug ins Poetologische („The Sounds Are Always Begging“), und die er wie immer mit mal klarer, mal gebrochener, mal sehr intimer Stimme vorträgt.

Dazu zupft und streicht Kelly wohlige Hippie-Gitarrenläufe, die sich mehr um sich selbst drehen als um den Hörer – fair point -, und die scheinbar nur für sich selbst da sind. Zumindest dauert es bis zum vierten Lied, „The Sounds Are Always Begging“, bis sich das Gefühl der kompositorischen Beliebigkeit und Ziellosigkeit zugunsten eines allzu gefälligen Geradeausstückchens ein wenig auflöst. Vielleicht braucht es noch ein paar Hördurchgänge (die ich dieser Platte höchstwahrscheinlich auch gewähren werde), aber bei den meisten Stücken bin ich mir auch beim zweiten Durchgang nicht sicher, was nun zum Refrain gehört, was zur Strophe, und ob dieser oder jener Teil oder diese oder jene Zeile vorher so oder so ähnlich oder doch anders gesungen wurde, und ob das für das Lied überhaupt nötig gewesen wäre. Was jetzt hier experimentell klingt, ist allerdings durch und durch konventionell gemeint und daher weniger spannend als eben beliebig.

Ein großer Pluspunkt, das sei erwähnt, ist die Verpackung des Vinyls. Wenn man die einfache Plattenhülle mit dem seltsamen Bild vornedrauf ausschüttelt, fällt einem neben der LP ein Textblatt (ohne Titel und ohne Reihenfolge, dafür auf transparentem Papier) und eine Bonus-7″, abermals mit Textblättchen auf transparentem Papier, in den Schoß, was das Sammlerherz erfreut – goodies, yeah, das Aufregendste an diesem Album.

Und so schwimmen wir als Hörer durch die sanften Wogen der Musik, können getrost die Augen schließen ohne Angst, daß etwas Beunruhigendes geschehen würde. Es gibt keine Dunkelheit auf „The Wonder Show…“, nichtmal beim leicht düsteren „Merciless and Great“, lang her sind die Zeiten, in denen der Prinz a darkness gesehen und mit dem Man in Black zusammen gesungen und gebarmt hat, und wo die traditionellen Lieder auf „Among the Gold“ eine sepiafarbene Tiefe atmen, wo „Superwolf“ von einer leicht versauten, leicht morbiden Ironie durchzogen war, ist „The Wonder Show…“ schön. Leicht beliebig, sehr kuschlig, einfach schön. Oldham kommt immer mehr in leicht goutierbarem Mainstream an, und es verwundert einen das Lob des Feuilletons daher immer weniger.

Ich bin sicher, an irgendeinem Abend in nicht allzu weiter Ferne lege ich diese Platte wieder auf, lehne mich zurück, schließe die Augen und genieße diese entspannende, sanfte, positive Musik ohne jeden Bruch, ohne jede Untiefe, und finde vielleicht kurzzeitig jenen Frieden, den Oldham und Kelly bei den Aufnahmen offenbar auch gefunden haben. Momentan allerdings geht mir das Hippiegedudel der beiden auf die Nerven. Ich lege jetzt Minor Thread auf und ärgere mich noch ein bißchen über den Zustand der Welt.

www.bonnieprincebilly.com
www.myspace.com/thecairogang
www.dragcity.com

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